Tina – ein Weihnachtsgeschenk

Tschita mit Idi, Tina's Mutter im Jahr 1967

Tschita mit Idi, Tina’s Mutter im Jahr 1967

Alle Malaienbären sind spezielle Bären, aber einige sind eben spezieller. Weihnachtsgeschenk-speziell eben.

All sun bears are special, but some are more special. Christmaspresentspecial so to speak.

Seit Anfang der 70er Jahre lebten im Tierpark Berlin vier oder mehr Bärinnen und ein Bär zusammen; im Jahr 1988 bestand die Gruppe aus den Damen Idi, Balay, Battam und Dehli und dem Ende der 60er Jahre in Kambodscha geborene Krishnan, Nachfolger von Oskar.

Ever since the beginning of the 70s four or more female bears lived together with one male; in 1988 the group had shrunk to four females, Idi, Balay, Battam and Dehli and Krishnan, the young male from Cambodia and successor of Oskar. 

Tina mit Frodo

Tina mit Frodo

Krishnan war kein Kind von Traurigkeit und fand die Gesellschaft von diversen Damen ganz offensichtlich sehr anregend, weswegen er auch alle Weibchen ausgiebigst deckte. Es gab eine Menge Nachwuchs in dieser Zeit, die wenigsten Tiere überlebten und wenn ein Babybär die ersten Tage überlebte, dann in den Händen der Pfleger des Reviers Künstliche Aufzucht des Tierparks Berlin. Ja, so etwas gab es seinerzeit. Ein eigenes Revier, das nur den einen Job hatte, Tiere, die aus welchen Gründen auch immer nicht von ihren Müttern angenommen wurden, großziehen.

Krishnan certainly knew how to enjoy himself and with this entertaining group of females, he began to mate. A lot of infants were born these days but not very many survived. Those who did, had to be taken away from their mothers and sent to the nursery and hand rearing department in the Tierpark. Yes, they had a specific department in Berlin, whose sole job it was to raise whomever was rejected by their mothers by hand.

Tina mit Dara

Tina mit Dara

Djaka (1977), Djogy (1982), Maly (1983), Teddy (1984) und auch Maika (1983) wurden dort groß, da man sie neugeboren lebendig fand und den erwachsenen Bären wegnehmen konnte. Kein Wunder also, dass nach über 10 Jahren, diese Prozedur Standard wurde. Meist überlebten die Kinder, die über Tag geboren wurden, weil dann Aufpasser und Kitapersonal vor Ort waren.

Djaka (1977), Djogy (1982), Maly (1983), Teddy (1984) and Maika (1983) spend their first months there. No wonder this became standard procedure, it worked way better than anything else. Those infants who did survive were the ones being born during the day or in the wee early morning hours, because then keepers to save them and nannies to take care of them were around.

Tina mit Lailani

Tina mit Lailani

Um so überraschter waren die Bärenpfleger, als sie am Morgen nach Heiligabend 1988 zu Arbeit kamen und Bärenkindergeschrei in Idi’s Wurfhöhle hörten. Sofort schmierte ein Pfleger ein Marmeladenbrot um Idi von ihrem Kind abzulenken, aber so einfach war die Sache diesesmal nicht. Idi schnappte sich das Brot und noch bevor ein weiterer Pfleger den kleinen Bären mit einer langen Stange aus der Wurfhöhle angeln konnte, war Idi wieder bei ihrem Kind und schirmte es von der Stange ab. Marmeladenbrot um Marmeladenrot ging das so weiter. Irgendwann schnappte Idi sich ihren kleinen Bären und behielt ihn – unbeholfen wohl – einfach im Arm. Marmelade hin, Brot her, an das Kind war kein Herankommen.

Tina mit Lailani

Tina mit Lailani

So comes christmas morning 1988 and on arrival at work the keepers heard baby bear noises. One of the keepers went to prepare a jam sandwich, the other keeper went to fetch a pole. Jam sandwich to distract mother Idi and the pole to angle for the little bear. But not this time and not with Idi. She took the sandwich and real quick went back to her baby to shield it from the pole. This went on several times and not once did the keepers have a chance to get the baby. In the end, Idi took her little baby and held her – a little clumsy, but still – in her arms. The message was clear, not matter how much jam and sandwich, the baby would not be surrendered.

Lailani, dezent angeknabbert

Lailani, dezent angeknabbert

Es wurde ein Pflegerkriegsrat einberufen, samt Kuratoren und wer sonst noch alles wichtig war, und die Entscheidung war getroffen, den Versuch zu wagen und Idi ihr Kind zu lassen. Der Bärenwagen wurde verschlossen, die Fenster mit Pappe abgedunkelt und um Störungen zu vermeiden, die Käfigsäuberung durch leise Katzenwäsche ersetzt. Nur nicht die junge Mutter stören und alles immer schön auf leisen Sohlen!

In an virtual keeper &  curator powwow it was decided to take the risk and leave the baby to Idi – a first in decades. The bear waggon was closed off, windows covered and cleaning reduced to minimum reducing noise to zero levels. 

das ist sicher nicht Tina ;-)

das ist sicher nicht Tina 😉

Nicht dass sie sich stören ließ. Idi erwies sich als gute Mutter, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen war. Die Pfleger konnten hören, dass das Neugeborene vom ersten Tag an ordentlich trank. Vertrauen hatte Idi bekommen, als man ihr das Kind ließ, Kontrolle war besser für das Gemüt der Pfleger.

Not that Idi cared much. She proved herself to be a good mother who was as relaxed as can be. The keepers could hear the baby drink properly and so it was down to trusting (but checking on her also) Idi with her infant.

Tina, dieses seit langen Jahren erste Malaienbärbaby, dass von der Mutter großgezogen wurde, und das erste, einzige und letzte der Fünfergruppe der 80er und 90er Jahre, hat viel mit ihrer Mutter gemeinsam. Sie ist leicht verfressen, durch nichts aus der Ruhe zu bringen und nach einigen Versuchen eine großartige Mutter.

peek a boo

peek a boo

Tina, the first sun bear baby raised by her mother since Battam in 1970 and the last for that matter for a very very long time, has a lot in common with her mother. She likes to eat and she is calm, cool and collected as was Idi. And finally she became a wonderful mother too.

Tina hat lange Jahre mächtig an ihren diversen Nachwüchsen herumgepflegt, teils so intensiv, dass man ihr die Kinder wegnehmen musste, aber dann, nach sechs Kindern (Betty, Bärbel, Johannes, Frodo, Matú und Dara) hat sie Lailani behalten und später auch Linh persönlich großgezogen.

Tina has been overly caring for her many children up to a point, were the young bears had to be taken away from her to be raised by the keepers. But then, after six babes (Betty, Bärbel, Johannes, Frodo, Matú und Dara) all was different. She was able to keep Lailani and three years later she kept Linh as well.

Da isse, Lailani :-)

Da isse, Lailani 🙂

Ich kann mich noch erinnern, als alle wussten, dass Tina ein neues Kind hatte, waren Kris und ich im Tierpark im Malaienhaus. Dara musste sich mit Bärbel abgeben und Johannes war draußen. Wir standen bei Tina vor dem Käfig und schauten ihr beim Futtern zu; wir dachten sie sei alleine und haben sie ein wenig bedauert, dass ihr Kind schon wieder nicht bei ihr bleiben konnte und wie schade das doch ist, und was weiß ich noch nicht alles.

I remember this all very well. One day in June, we all knew Tina had had a baby, and Kris and I went to go see the bears. Dara was with Bärbel and Johannes was outside. Tina was in her compartment eating. No baby was to be seen. So we thought, how sad, it happened again and the keepers had to take the baby. We were kind of sorry for Tina.

Als plötzlich aus einem hohlen Baum ein kleiner Bär spaziert kam. Lailani, klitzeklein, ein paar Monate alt, leicht angeknabbert, aber eben bei Mama Tina. Wir haben vor Begeisterung und Freude ein paar Tränchen verdrückt und lauter gruselige Eisenstangenbilder von Tina und Lailani gemacht. Dann sind die Pfleger gekommen und haben Lailani Blümchen mitgebracht. Oder vielleicht auch Tina. Man weiß es nicht, aber fröhlich waren alle, mitten im Juni!

Malaienbärin Linh im Tierpark Berlin

And then came something very little crawling out of a hollow tree trunk. Lailani, superminismall, slightly nibbled at but nonetheless with her mother Tina. We were so happy, we even cried a little. Finally, no more hand rearing! The keepers came in with little flowers, wether they were for Tina or Lailani, we did not know. But all was good and all were happy.

Erneut! Herzlichen Dank an die Pfleger aus dem Tierpark Berlin, dass sie diese Geschichten mit uns allen teilen!

5 Antworten zu “Tina – ein Weihnachtsgeschenk

  1. Dem Dank an die Pfleger kann ich mich nur anschließen 🙂

    Und ich muss gestehen, dass ich beim Lesen der Geschichte schon wieder ein bisschen Pipi in den Augen hatte 😉

  2. Na, dem Pipi in den Augen von Kris kann ich mich dann gleich mal anschließen!!
    und dass die Bärenpfleger in Berlin (im Zoo und im TP:-)) besonders klasse sind, ist ja eh klar, oder??
    Als ich das erste Mal Tina mit der klitzekleinen Linhi:-) sah, war es SPÄTESTENS um mich geschehen. Na, ein Bär, der Tina heißt, MUSS ja schließlich etwas Besonderes sein. Oder?:-)

    Liebe Sabine, mach weiter so. Ich hoffe auf noch viele schöne Malaienbärengeschichten und dass auch in Zukunft noch viele Geschichten aus Berlin dazu kommen!
    …UND HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, nachträglich, zum Geburtstag!
    Alles Gute Chris/tina:-)

  3. Hübsche Geschichte. 😉 Aber am besten sind doch immer die Fotos. Wie kann jemand diese Teddys eigentlich nicht zum Knuddeln finden?!

  4. Liebe Sabine!

    Vielen Dank für die schöne Geschichte und die zauberhaften Fotos! Ich schaue immer gern hier ´rein. 🙂 Malaienbären sind einfach fantastisch!

  5. Pingback: Lailani und Dara | Malaienbären in Europas Zoos

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